Gucken
Meiner Meinung nach ist das Gucken die wichtigste Übung überhaupt. Ich würde so weit gehen, zu behaupten, dass man
keine andere Übung trainieren sollte, bevor ein Hund gelernt hat, auf ein bestimmtes Wort oder eine Geste hin seine Aufmerksamkeit
und seinen Blick auf seinen Besitzer zu lenken.
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Konzentrationssteigerung
Auf vielen Hundeplätzen ist es nach wie vor üblich auch schon mit untrainierten Hunden loszulegen und von ihnen zu verlangen,
sich bis zu einer Stunde lang (!!) ununterbrochen auf Kommandos zu konzentrieren.
Die meisten Hunde benötigen jedoch nach allerspätestens 5 Minuten intensivem Training eine Pause. Eine Tatsache, die
viele Hundebesitzer in meinen Kursen nur ungern wahrhaben wollten. Hatten Sie doch für eine Stunde Training bezahlt.
Ich musste etwas finden, das den eifrigen Hundebesitzern ganz deutlich zeigte, wie lange sich ein Hund zu Beginn des Trainings
auf eine Übung konzentrieren konnte und wollte. Gleichzeitig sollte eine Übung geschaffen werden, die die Konzentration
der Hunde für die Besitzer messbar steigerte.
Machen Sie den Test
Versuchen Sie einmal, die freudige Aufmerksamkeit und den Blick Ihres Hundes für eine halbe Minute auf sich zu lenken. Kein
Problem? Wie sieht es mit einer Minute aus, mit zweien oder mit dreien? Schon eine Minute unter Ablenkung hat in allen Jahren, in
denen ich diese Übung mache, noch kein Hund auf Anhieb geschafft. Es ist also ganz sicher keine Schande, sollte das Ihrem Hund
auch nicht gelingen.
Vielleicht haben Sie jedoch in Zukunft etwas mehr Verständnis, wenn Ihr Hund eine Übung einfach nicht so lange durchhält,
wie Sie das gerne hätten.
Hilfe in Problemsituationen
Einige alltägliche Probleme könnten vermieden werden, wenn man als Hundebesitzer die Möglichkeit hat, den Blick
des Hundes und seine Aufmerksamkeit auch nur für zwei Sekunden auf sich zu lenken.
Beispiel: Ihr Hund benimmt sich an der Leine jedes Mal wie ein Berserker, wenn ein anderer Hund an ihm vorbeikommt. Einem solchen
Verhalten geht in der Regel ein regelrechtes Duell im Anstarren voraus, während dem Ihr Hund die Möglichkeit hat, sich so
richtig schön in die Situation hineinzusteigern. Wenn es Ihnen am besten schon zu Beginn eines solchen Anstarrduells gelingt,
den Blick Ihres Hundes auf sich zu lenken, haben Sie ein wunderbares Mittel zur Hand, das in Zukunft weiteres Problemverhalten an
der Leine verhindern kann.
Grundlage für weitere Gehorsamsübungen
Aus dem der Übung Gucken heraus, kann man ohne Druck und Zwang die oft so unbeliebte Übung „Fuß“ ableiten.
Aber auch Übungen wie „Sitz“ oder „Platz“ lassen sich mit einem konzentrierten Hund viel leichter und
ohne Stress üben.
Die nun vorgestellten Übungsschritte bauen in der angegebenen Reihenfolge aufeinander auf, deshalb bitte nichts vertauschen.
Der Schwierigkeitsgrad steigert sich langsam. Dabei muss der Hund nicht nur lernen uns anzusehen, wenn wir ruhig stehen oder sitzen,
sondern auch, wenn wir uns bewegen. Nur so können wir diese Übung auch für spätere Kommandos oder im Alltag für
uns verwenden.
Machen Sie diese Übungen zu Beginn nicht länger als 5 Minuten am Stück
Auch wenn es so scheint, als wäre sie leicht, diese Übung ist sehr anstrengend für Ihren Hund.
Haltung bewahren
Da es unseren Hunden wesentlich leichter fällt, an unserer Körpersprache abzulesen, was wir möchten, als an Worten,
beginnen wir schon hier, genau auf unsere Körperhaltung zu achten. Jedes Mal, wenn Sie diese Übungen machen, sollte die
Körperhaltung gleich sein. Sie werden schnell merken, dass ein Wortkommando eigentlich überflüssig ist. Dennoch werden
wir es für den Alltag einführen.
Sie bewaffnen sich mit den Lieblingsleckerchen Ihres Hundes. Diese sollten so klein wie möglich und so groß wie nötig
sein.
Stellen Sie sich aufrecht hin und halten Sie die linke Hand mit mehreren Leckerchen wie eine Schale geformt vor Ihren Bauchnabel.
Greifen Sie mit der rechten Hand nach einem Leckerchen und lassen Sie die rechte Hand in dieser Position quasi in der Schale liegen.
Und los geht´s:
- Um eine erste Aufmerksamkeit von Ihrem Hund zu erhalten, bekommt er einfach so ein Leckerchen zugesteckt. Nach einer Sekunde ein
weiteres und nach nochmals einer Sekunde wieder eines. Jedes Mal, wenn Sie dem Hund das Leckerchen geben, sagen Sie hocherfreut mit
einer hohen Stimme „guuuut“. So erreichen Sie ganz nebenbei, dass das Wort „guuuut“ ein wunderbares Lob bedeutet.
- In der Regel sind die Hunde dann schon sehr interessiert daran auch noch weitere Leckereien zu bekommen und werden Sie etwas genauer
betrachten. Die meisten stellen oder setzten sich dazu vor ihre Besitzer. Böse Zungen nennen das „Betteln“. ;-) Der
Hund muss Ihnen bei dieser Übung nicht in die Augen gucken. Es genügt, wenn er das Leckerchen ansieht. Sie nimmt er so nebenbei
ganz automatisch mit wahr.
- Warten Sie nun ca. 2 Sekunden, bis Ihr Hund das nächste Leckerchen bekommt. (Wichtig: Sie sollten bei dieser Übung zunächst
nicht mehr als das erwähnte „guuuut“ sprechen, so das Ihr Hund nicht durch Ihr munteres Geplapper verwirrt wird)
Wiederholen Sie diese Stufe mehrmals, bis sie sicher funktioniert.
- Wenn Ihr Hund sicher 2 Sekunden lang auf Sie gucken kann, dann können Sie die Zeit langsam Sekunde um Sekunde steigern. Wenn
Sie merken, dass er z. B. bei 8 Sekunden nahezu keinen Treffer landet, es also nie schafft Sie 8 Sekunden lang anzusehen, dann gehen
Sie wieder zurück auf 7 Sekunden oder 6 Sekunden (also an eine Schwelle, die er gut kann) und trainieren Sie diese noch einmal.
Steigern Sie dann wieder langsam weiter bis auf ca. 10 Sekunden.
- Trainieren Sie das Gucken an unterschiedlichen Stellen. Beginnen Sie immer mit Stufe 1 und steigern Sie die Zeit dann langsam.
- Wenn Ihr Hund Sie ca. 10 Sekunden lang ununterbrochen angucken kann, können Sie ein Kommando für das Gucken einführen.
Wir benutzen dazu in er Regel den Namen des Hundes. Man kann aber auch gerne „Gucken“ oder „Schau“ als Kommando
nehmen. Immer, wenn Sie mit der Übung beginnen, sagen Sie nun den Namen Ihres Hundes und erlangen so seine Aufmerksamkeit. Achtung:
Wenn Sie den Namen Ihres Hundes als Kommando benutzen, sollten Sie im Alltag darauf achten, dass Sie ihn auch wirklich nur dann verwenden,
wenn Ihr Hund Sie ansehen soll!
- Es ist fair den Hunden ab diesem Stadium der Übung auch beizubringen, wann die Übung beendet ist, also ab wann es sich
nicht mehr so sehr lohnt Sie anzugucken. Wenn ich die Übung bei meinen Hunden beende sage ich immer das gleiche: „Das war´s.“
Dann wissen die drei ganz genau: „Übung beendet, ich kann wieder machen, was ich sonst noch so machen möchte.“
- Im nächsten Schritt können Sie langsam beginnen sich rückwärts zu bewegen. Ihr Hund soll Ihnen dabei folgen
und Sie angucken. Geben Sie Ihrem Hund, während des Rückwärtslaufens zunächst wieder alle 2 Sekunden eine Belohnung
und steigern Sie die Zeit dann langsam. Versuchen Sie das Leckerchen möglichst nah am Körper zu geben. Bei großen
Hunden ist das ziemlich genau am Bauchnabel. Für kleinere Hunde muss man dann entsprechend vom Bauchnabel aus tiefer reichen.
Achten Sie darauf, dass Sie Ihren Hund nicht für Hochspringen belohnen, einige Hunde versuchen so schneller an das Leckerchen
zu kommen. Ignorieren Sie dieses Verhalten und geben Sie nur dann ein Leckerchen, wenn Ihr Hund „korrekt“ läuft.
- Kann Ihr Hund Ihnen im langsamen Tempo ca. 10 Schritte zuverlässig folgen ohne zwischendurch wegzuschauen, beginnen Sie die
Richtung zu wechseln. Laufen Sie rückwärts Schlangenlinien, Kreise und immer engere Kreise. Dabei können Sie auch langsam
die Anzahl der Schritte erhöhen.
- Als nächsten Schritt erhöhen Sie das Tempo unserer Gangart. Während Sie Rückwärtslaufen steigern Sie
das Tempo langsam bis zum lockeren Traben.
- Dieser Schritt ist eine wichtige Vorübung für das Fußgehen. Gehen Sie ein paar Schritte rückwärts mit
Ihrem Hund und machen Sie dann mit dem linken Bein einen Schritt rechts an Ihrem Hund vorbei nach vorne. Der Hund müsste sich
jetzt an Ihrer linken Seite befinden. Gehen Sie drei oder vier Schritte vorwärts (vergessen Sie nicht den Hund zu belohnen) und
wechseln Sie dann wieder in den Rückwärtsgang.
Diese Wechsel können Sie mehrmals hintereinander machen, ohne die Übung zu unterbrechen. Sie werden merken, dass Ihr Hund
ganz schnell begreift, dass er beim Vorwärtsgehen auf Ihrer linken Seite laufen soll.
- Wie Schritt 8, aber mit dem rechten Bein links am Hund vorbei nach vorne gehen. Diese Übung ist wichtig, damit Ihr Hund lernt,
dass man auch rechts neben dem Besitzer herlaufen kann. Beim Agility-Sport ist das zum Beispiel sehr wichtig. Hunde, die nur Linkslaufen
gelernt haben fühlen sich nachher auf der rechten Seite irgendwie unwohl.
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