Grundsätzliches zur Erziehung!
Der erst Pfeiler der Hundeerziehung ist Verständnis. Ich muss wissen, was ich vor mir habe, bevor ich beginne, mit dem Tier
zu arbeiten. Im Idealfall, hat man vorher schon ein paar gute Bücher gelesen. Die folgenden Bücher empfehle ich jedem Hundeliebhaber.
Weitere sehr interessante Bücher sind in der Bücherliste auf meiner Internetseite aufgeführt.
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- Positiv bestärken – sanft erziehen von Karen Pryor
- Hunde sind anders von Jean Donaldson
- Der Wolf im Hundepelz von Günther Bloch > mehr Info
- Es würde Knochen vom Himmel regnen von Suzanne Clothier > mehr Info
Vielen Hundehaltern ist überhaupt nicht klar, wie extrem schnell ein Hund lernen kann und wie das Lernen - übrigens nicht
nur beim Hund sondern auch bei Pferden, Katzen, Delphinen oder gar Menschen – abläuft.
Keine Angst, es folgen keinen hochwissenschaftlichen Erklärungen! Lediglich ein paar sehr interessante Aspekte.
Wie lernt der Hund?
Auf unserer Erde leben zur Zeit ca. 400 Millionen Hunde. Darunter gibt es hunderte verschiedene Rassen. Viele dieser Rassen wurden
auf ganz bestimmte Wesensmerkmale hin gezüchtet. Die einen sind besonders gute Schäferhunde, andere unterstützen den
Jäger bei der Jagd.
Bei der Ausbildung eines Hundes sollten wir stets die besonderen Eigenschaften der Rasse, aber auch die des einzelnen Individuums
berücksichtigen.
Wie ist es bei dieser Vielfalt der Individuen dennoch möglich, ein System zu erstellen, nach dem alle Hunde trainiert werden
können?
Wir machen uns die Erkenntnisse über das Lernen von Hunden zu Nutze, die besagen, dass es bestimmte Prozesse gibt, die bei
allen Hunden gleich ablaufen. Aus diesen Erkenntnissen können wir zwei Grundaussagen ableiten, die wirklich auf alle Hunde zutreffen:
"Hunde sind Egoisten" und "Hunde sind Optimisten"
Hunde sind Egoisten
Diesen Satz niederzuschreiben fällt tatsächlich sehr schwer, sind wir doch mit Geschichten über Rintintin oder Lassie
groß geworden.
Gibt es denn keine Rettungshunde, die Ihr Leben für uns einsetzten? Gibt es keine Blindenhunde, die mit geradezu stoischer
Gelassenheit Ihre Menschen durch das Leben führen?
Doch, selbstverständlich gibt es diese Hunde!
Aber: Kein Rettungshund weiß, dass er gerade sein Leben riskiert. Er hofft, auf der Suche einen Menschen zu finden, der ihm
ein Leckerchen gibt oder mit ihm spielt, wenn er entdeckt ist. Auch der Blindenhund hofft bei jedem Hindernis, dass er anzeigt, auf
eine Belohnung.
Man kann sagen, dass Hunde grundsätzlich nur Verhalten zeigen, von dem sie glauben, dass es sich für sie lohnt.
Jetzt mögen Sie dem entgegensetzen: "Ja, aber ich habe noch nie gesehen, dass ein Blindenhund die ganze Zeit Leckerchen
bekommt oder gestreichelt wird"
Absolut richtig! Und damit kommen wir gleich zur zweiten wichtigen Aussage über Hunde:
Hunde sind Optimisten
Wenn unsere Hunde einmal gelernt haben, dass sich ein bestimmtes Verhalten für sie lohnt, werden sie immer wieder und immer
öfter versuchen, es zu ihren Gunsten einzusetzen. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass sie nicht jedes Mal Erfolg haben. Dennoch
versuchen die Hunde es weiter frei nach dem Motto "Irgendwann wird es schon wieder wirken."
Das ist der Grund, warum wir nicht für den Rest unseres Lebens mit den Manteltaschen voller Leckereien durch den Wald laufen
müssen, sondern unsere Hunde später auch gehorchen, ohne diese regelmäßige Belohnung.
Wie können wir diese einfachen Aussagen für die Ausbildung nutzen?
Wenn Sie sich an die folgenden Regeln bei der Ausbildung Ihres Hundes halten, werden Sie es wesentlich leichter haben Ihren Hund
zu verstehen. Je konsequenter Sie auf diese Regeln im Alltag achten, desto leichter machen Sie es Ihrem Hund, Sie zu verstehen.
Verhalten, welches wir in Zukunft öfter bei unseren Hunden sehen möchten, das belohnen wir.
Wenn wir möchten, das unsere Hunde sich beim Spazierengehen öfter nach uns umdrehen, dann müssen wir anfangen das Umdrehen
zu belohnen. Was ein Hund als Belohnung empfindet, ist von dem Hund selber abhängig. Bei dem einen ist es Spielen, beim anderen
Leckerchen oder Streicheleinheiten. Es ist wichtig herauszufinden, was der Hund am liebsten hat.
Eine Auffälligkeit beim Lernen ist, dass sich ein Verhalten erst so richtig etabliert, wenn man - nach vorheriger regelmäßiger
Belohnung - beginnt es nur noch ab und zu belohnen. Ein Verhalten, dass über einen zu langen Zeitraum wirklich jedes Mal belohnt
wird, scheint langweilig zu werden. Erst wenn man dann beginnt es unregelmäßig zu belohnen, wird es wieder interessant,
steigert sich oft noch und festigt sich.
Wenn der Hund einmal sicher weiß, was von ihm gewünscht wird, können (und müssen) wir die Belohnung abbauen.
Beim Spaziergang dreht sich unser Hund öfter nach uns um. Wenn er dabei regelmäßig eine Häufigkeit erreicht,
mit der wir zufrieden sind, beginnen wir, ihn für das Umsehen nur noch unregelmäßig zu belohnen. Dadurch wird er sich
noch öfter umsehen und dieses Verhalten später auch ohne Belohnung über einen längeren Zeitraum nicht mehr ablegen.
Mit diesen beiden Regeln möchten wir in die Praxis einsteigen. Zusätzlich zu den von uns genannten Übungen können
Sie selber gerne private „Experimente“ machen. Suchen Sie sich ein Verhalten Ihres Hundes aus, das Sie gerne öfter
sehen möchten, und beginnen Sie, es gezielt zu bestätigen.
Handeln Sie verantwortungsvoll!
Dieses Wissen verleiht Ihnen als Hundehalter sehr viel Macht. Gehen Sie verantwortungsvoll damit um. Machen Sie aus Ihrem Hund keine
Marionette, die vor lauter antrainierten Verhaltensweisen vergisst, dass sie einmal ein Hund war. Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund.
Übungen:
Machen Sie die Übungen nicht länger als 10 Minuten am Stück
Sie sind sehr anstrengend, auch wenn es zunächst nicht so erscheint.
Beispielexperimente:
- Belohnen Sie Ihren Hund, jedes Mal, wenn er sich beim Spaziergang nach Ihnen umsieht.
- Halten Sie beide Hände zu einer Faust geschlossen vor Ihren Hund. In der einen Hand ist ein Leckerchen versteckt. Geben Sie
dem Hund das Leckerchen, wenn er die Hand, in der kein Leckerchen ist, mit der Nase berührt.
- Legen Sie einen größeren alten Karton hin. Wenn Ihr Hund irgendeine Aktion zeigt, die mit dem Karton zu tun hat, wie
z.B. ihn beschnüffeln, mit der Pfote berühren, drum herum laufen, loben Sie ihn.
- Achten Sie im Alltag einmal gezielt darauf, welche auffälligen Verhaltenweisen Ihr Hund zeigt, und versuchen Sie für
sich festzuhalten, warum er das macht. Was ist seine Belohnung?
Beispiele für auffällige Verhaltensweisen:
a. Kläffen, wenn es an der Tür klingelt
b. Am Gartenzaun kläffen
c. Leineziehen
d. Betteln am Tisch
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