Stubenrein - das ist fein!
Wohl jeder Welpenbesitzer hofft, dass er seinen neuen, vierbeinigen Freund so schnell wie möglich stubenrein bekommt.
Wenn Sie sich bei Hundebesitzern umhören, so fällt auf, dass der eine Hund als Welpe schon in der ersten Woche stubenrein
war, der andere gar mehrere Monate gebraucht hat.
Woran kann das liegen? |
 |
Ist es eine Veranlagung des Hundes, oder ist der eine Welpenbesitzer einfach mehr begabt als der andere in Sachen Hundehygiene?
Es gibt tatsächlich mehrere Faktoren, von denen es abhängt, wie schnell ein Hund stubenrein wird:
Die Aufzucht:
Bereits beim Züchter wird ein entscheidender Grundstein für einen sauberen Hund gelegt. Im günstigsten Fall haben
die Welpen einen freien, immer geöffneten Auslauf auf einer Wiese.
Schon ganz kleinen Hunden ist es angeboren, das Nest, also den Ort an dem sie schlafen und essen, nicht zu beschmutzen. Wer einmal
einen Wurf Welpen beobachtet hat, der konnte sehen, dass die Kleinen, sobald sie sich nur ein bisschen fortbewegen können (im
Alter von ca 3-4 Wochen), beginnen, den Schlafplatz zu verlassen, um ihr Geschäft zu erledigen. Vorraussetzung ist natürlich,
dass der Züchter ihnen den Platz dazu bietet.
Je besser die Welpen laufen können, desto weiter versuchen sie in der Regel von ihrer „Höhle“ wegzukommen.
Können sie also den Raum mit dem Schlafplatz gar verlassen und auf eine Wiese gehen, werden sie davon so oft wie möglich
Gebrauch machen.
Haben Sie dann zuhause auch die Möglichkeit die Terrassentür in der Garten offen zu lassen, dann wird ihr Welpe bevorzugt,
so wie er es vorher gelernt hat, nach draußen gehen, um sich zu lösen.
Damit haben Sie dann schon einen großen Vorteil gegenüber anderen Welpenkäufern.
Bei Welpen, die eine Wiese zum Auslauf hatten, ist oft sogar zu bemerken, dass sie wirklich nur auf Grün machen und zum Beispiel
nicht auf dem Bürgensteig.
Nicht jeder Züchter hat die Möglichkeit, seinen Welpen einen dauernd offenen Auslauf zu ermöglichen. Einige legen
deshalb den Raum, in dem die Kleinen aufgezogen werden, mit Zeitungspapier aus. So lässt er sich leicht säubern.
Der Effekt: Die Kleinen lernen, dass man sich auf Zeitungspapier lösen kann und werden auch im neuen Zuhause eine Zeitung
als Unterlage bevorzugen.
Wenn Sie dann also Ihren jungen Hund einmal alleine lassen müssen, können Sie ein Stück Zeitung (am besten vor die
Tür) legen. In den meisten Fällen machen die Welpen dann dorthin.
Natürlich gibt es leider auch immer wieder Aufzuchtbedingungen, bei denen die Welpen nahezukeine Möglichkeit haben, sich
in Reinheit zu üben:
Die Kleinen werden z. B. in kleinen, abstellkammergroßen Räumen gehalten, die keine Möglichkeit zum Entfernen von
der Schlafstelle bieten. Im schlimmsten Fall werden diese Räume dann noch nicht einmal vernünftig sauber gehalten.
Solche Welpen haben es dann natürlich schwer zu verstehen, warum sie nun nicht mehr auf ihr Bettchen machen dürfen. Dazu
waren sie sonst doch gezwungen. Hier kann man wirklich schon von einer erlernten Verhaltensstörung sprechen.
Im neuen Zuhause:
Ganz egal unter welchen Bedingungen ein Welpe die ersten Wochen gelebt hat, zuhause sollten jetzt bei allen die gleichen Regeln
gelten.
Wir zeigen jetzt unten den Idealfall auf. Je mehr Sie sich an die Tipps halten, desto schneller wird Ihr Welpe stubenrein.
Haben Sie einen Welpen aus schlechter Aufzucht übernommen, werden Sie in der Regel länger an der Stubenreinheit arbeiten
müssen, als wenn Sie einen ideal aufgezogenen Welpen haben.
1) Gewöhnen Sie Ihren Welpen so schnell wie möglich an eine Box
Mit Box sind zum Beispiel die Transportboxen gemeint, die man in allen Zoogeschäften oder auch im Internet erwerben kann.
Es gibt Boxen in verschiedenster Ausführung: Fast ganz geschlossene Plastikboxen, offene Gitterboxen oder Holzboxen, die eigentlich
speziell für Autos gefertigt wurden.
Auf jeden Fall sollte eine Box so groß sein, dass der Hund sich bequem ausgestreckt dort hineinlegen und auch stehen kann.
Die Box sollte besonders bequem ausgestattet sein. Zum Beispiel mit einem alten waschbaren Kopfkissen.
Zur Gewöhnung geben Sie das Futter oder besondere Leckereien in der Box. Machen Sie die Tür zur Box kurz zu und geben
Sie Leckerchen durch die Gitterstäbe, wenn Ihr Hund sich ruhig verhält. Nach und nach wird dann die Zeit, die Ihr Hund in
der Box verbringen muss, verlängert.
Die Box kann man auch hervorragend zum Autofahren benutzen.
2) Der Welpe sollte die Nacht in der Box verbringen
Hat der kleine Hund erst einmal gelernt, über längere Zeit in der Box zu bleiben, sollte er auf jeden Fall nachts immer
in der Box schlafen. So ist er gezwungen, sich zu melden, wenn er nachts einmal sein Geschäft erledigen muss. Bei den meisten
Welpen funktioniert das hervorragend. Schwer ist es oft nur bei den Welpen, die unter sehr unsauberen Bedingungen aufgewachsen sind.
Sie haben leider kein Problem damit auch in die Box zu machen.
Wichtig ist, dass Sie die Box nachts so stellen, dass Sie es auch hören können, wenn der Hund unruhig wird! Er sollte
auf keinen Fall gezwungen sein, die Box zu beschmutzen.
Als kleinen Nebeneffekt, kann der Welpe in der Nacht auch nichts in der Wohnung kaputt machen.
3) Ihr Hund sollte sich in der ersten Zeit möglichst nur in einem Zimmer aufhalten
Auf diese Weise haben Sie den Kleinen genau im Blick und merken, wenn er beginnt unruhig zu werden. In diesem Zimmer sollte auch
die Futterecke und die Schlafecke sein. So fällt es noch mehr auf, wenn der Welpe einmal muss, weil er sich von diesen Ecken
dann immer entfernen wird. (oft leider nicht bei sehr schlecht aufgezogenen Welpen)
4) Bringen Sie Ihren Welpen grundsätzlich nach jedem Füttern in Freie
Nach dem Fressen müssen einfach die meisten Welpen. Am besten ziehen Sie sich schon die Jacke und Schuhe an, während
der Kleine frisst. Es kann nämlich manchmal sehr schnell gehen. Achten Sie bitte darauf, dass der Welpe nach dem Füttern
nicht herumtollt! Es besteht die Gefahr eine Magendrehung. Er sollte einfach nur schnüffeln und sich lösen.
5) Bringen Sie Ihren Welpen nach jedem Spiel ins Freie
Genauso wie nach dem Fressen müssen auch nach dem Spielen die meisten Hunde. Hier passieren wirklich am häufigsten „Malheure“,
weil die Kleinen oft auch mitten im Spiel stehen bleiben und einfach laufen lassen. Wenn Sie den Welpen dabei erwischen, nehmen Sie
ihn einfach ohne besondere Worte hoch und tragen ihn raus. Er wird Sie nicht voll machen, da er automatisch mit dem Pinkeln aufhört.
6) Bringen Sie Ihren Welpen nach jedem Schlafen ins Freie
Wie nach dem Füttern oder Spielen ist auch jetzt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kleiner sich einmal lösen muss sehr
groß.
7) Gehen Sie nie sofort nach hause, wenn Ihr Welpe gerade gemacht hat.
Sonst erreichen Sie, dass er sein Geschäft so lang wie möglich herauszögert, um nur nicht wieder ins Haus zu müssen.
8) Bringen Sie dem Hund bei, sich auf Kommando zu lösen
Sobald Sie sehen, dass Ihr Welpe sich an einen richtigen Ort lösen will oder sich bereits löst, sagen Sie mehrfach z.
B. „Mach Gassi“. Danach loben Sie ihn überschwänglich! Diese Übung kann Ihnen auch im späteren Hundeleben
sehr nützlich sein, wenn Sie z. B. einmal eilig weg müssen, Ihr Hund aber noch nicht seine Geschäft erledigt hat.
9) Beachten Sie den Welpen nicht, wenn Sie nach hause kommen
Es gibt immer wieder Hunde, die vor lauter Wiedersehensfreude unter sich machen. Hier ist es wichtig, die Hunde wirklich links
liegen zu lassen, wenn Sie nach hause kommen. Keine Angst, das ist ein völlig normales Verhalten unter Hunden. Die Mutter hat
es mit Ihrem Kleinen nicht anders gemacht.
10) Die Zeitungsrolle
Eine zusammengerollte Zeitung kann ein nützliches Hilfsmittel sein, wenn man sie richtig anwendet.
Benutzen Sie beispielsweise die Zeitung, wenn Ihr Hund etwas anknabbert oder gerade sein Bächlein macht. Benutzen Sie
sie nur, wenn Sie nicht zum richtigen Zeitpunkt eingreifen konnten, weil Sie nicht aufgepasst haben.
Nehmen Sie die Zeitung, schlagen Sie sich selbst sechsmal gegen den Kopf und wiederholen Sie dabei den Satz: “Ich habe
vergessen, auf meinen Hund aufzupassen.“
Wenden Sie diese Technik immer wieder an. Nach einigen Korrekturen werden Sie soweit konditioniert sein, dass Sie Ihren Hund
im Auge behalten!
Die Zeitungsrolle sollte einzig und allein zu diesem Zweck verwendet werden.
Sobald Ihr Hund über Sie lacht, loben Sie ihn.
(aus:
Hunde verstehen und richtig erziehen
John Ross und Barbara McKinney
Franck-Kosmos Verlags-GmbH 1994)
|